Im Zusammenhang mit unserer Tour werden wir oft über die Gefahr ausgehend von Bären ausgefragt und teilweise mit Behauptungen konfrontiert, die falsch sind. Darum hier eine (etwas längere) Abhandlung zum Thema:

Ein Grizzly in der offenen Tundra der Brooks Range 2017. Die Tiere sind gut sichtbar und flüchten zuverlässig sobald sie einen Wanderer erblicken.
Die Brooks Range beheimatet die offiziell wildesten Bären der USA. Wild heisst, dass sie am wenigsten mit Menschen oder Zivilisation konfrontiert sind. Bei den Tieren handelt es sich überwiegend um Grizzly- und einige Schwarzbären. Die Tiere fallen deutlich kleiner aus als in Gebieten weiter südlich und die Populationsdichte ist mit 2 Bären pro 100 Quadratkilometer auch eher gering. Trotzdem trifft man regelmässig Tiere an: Ich (Manuel) habe bisher insgesamt rund 30 Tage in der Brooks Range verbracht und bin dabei drei Mal auf Grizzlybären getroffen: Zwei Einzeltiere und ein Muttertier mit 2 Jungen.
Grundsätzlich fürchten sich Grizzlies vor Menschen und flüchten, sobald sie einen entdecken. Menschen greifen sie nur dann an, wenn sie sich bedroht fühlen. So sind Bärenbegegnungen vor allem dann gefährlich, wenn man das Tier überrascht. Dies passiert vorwiegend in unübersichtlichen Gebieten, wie z.B. im dichten Gestrüpp und wenn man alleine unterwegs ist. Empfohlene Massnahme ist dort, dass man ständig etwas Lärm macht, um die Tiere zu warnen.
Wie viele andere Wanderer in der Brooks Range werden wir keine Schusswaffe tragen weil diese unpraktisch und schlicht nicht nötig ist. Es gibt im Gates Of The Arctic NP nur einen bekannten Fall von einem tödlichen Übergriff: Im Jahr 1996 wurde ein Wanderer, der sich zu diesem Zeitpunkt alleine im Gestrüpp entlang eines Flusses bewegte, von einem Bären getötet.
Für allfällige Begegnungen werden wir beide einen Bären-Spray (310ml Pfefferspray) tragen. Diese bieten effektiven Schutz vor Bärenattacken. Eine Garantie sind sie allerdings nicht. Da wir uns mehrheitlich über der Waldgrenze bewegen, ist das Gelände aber übersichtlich und Bären kann man potenziell nur hinter Hügelkuppen überraschen. Vor solchen Passagen werden wir mit einer Trillerpfeife Geräusche machen, um mögliche Bären vorzuwarnen.
Zweifellos das wichtigste ist, dass wir keine Nahrungsmittel in der Nähe von unserem Zelt aufbewahren und nicht in oder direkt neben dem Zelt kochen und essen. Zusätzlich werden wir auf dem Kanu-Abschnitt jeweils einen elektrischen Zaun um unser Camp errichten, um Plünderungsaktionen durch Bären vorzubeugen.
Übrigens: Statistisch sind Flussquerungen um ein vielfaches gefährlicher als Bärenbegegnungen. Daher haben wir unsere Route entlang der Wasserscheide geplant um grosse Flussquerungen zu vermeiden.
Referenz: https://brooks-range.blog/2015/04/07/grizzly-bears-of-alaskas-brooks-range/